In sechs Monaten nahm unsere Schulerweiterung in Oekolo Gestalt an: zwei Schulgebäude und eine Unterkunft, entstanden durch den gemeinsamen Einsatz unseres lokalen Teams, acht Volunteers und Fachleuten aus Indonesien und der Schweiz.
Manches ging erstaunlich schnell voran. Die in Kalimantan vorgefertigten Holzkonstruktionen standen innerhalb weniger Wochen. Anderes brauchte deutlich mehr Zeit als erwartet: die Planung der Erdung, die Suche nach geeigneten Dachmaterialien, die Bewilligungsverfahren und das Warten auf den Stromanschluss.
Immer wieder standen wir vor derselben Frage: Wie erreichen wir die gewünschte Qualität mit den Materialien, Geräten und finanziellen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen? Die Antworten prägten sowohl die Gebäude als auch unsere Arbeitsweise.
Acht Volunteers und viel Fachwissen
Acht Volunteers unterstützten das Projekt in diesem Jahr. Sie brachten Erfahrung im Gartenbau, bei Elektroinstallationen, in allgemeinen Bauarbeiten und in der Verarbeitung von Naturstein mit.
Ihr Beitrag ging weit über zusätzliche helfende Hände hinaus. Sie halfen uns, Probleme zu erkennen, Arbeitsabläufe zu verbessern und Aufgaben zu bewältigen, für die Fachwissen besonders wertvoll war. Einige Ergebnisse sind sofort sichtbar, etwa der Natursteinboden. Andere stecken in den Gebäuden selbst oder in den Abläufen auf der Baustelle.
Auch über grosse Distanzen hinweg wurde zusammengearbeitet. Neben den Menschen vor Ort unterstützten uns Fachleute bei Fragen, die sich nicht einfach mit einem Blick auf einen Plan oder der Wahl eines Produkts lösen liessen.
Eine dieser Fragen lag direkt unter unseren Füssen.
Die Erdung von Anfang an ernst nehmen
Eine Überprüfung der Elektroinstallation unseres ersten Gebäudes von 2023 zeigte, dass hinsichtlich der Erdung kaum etwas gemacht worden war. Der Schweizer Elektriker, der sich die Installation anschaute, war sehr besorgt.
Bei den neuen Gebäuden wollten wir das Thema von Anfang an systematisch angehen. Wir baten einen befreundeten, in der Schweiz zertifizierten Elektrosicherheitsberater um Unterstützung.
Als Antwort erhielten wir umfangreiche technische Unterlagen. Beim Einlesen wurde deutlich, wie viel zu berücksichtigen war: die Anordnung der Erder, die Verbindungen zwischen den Bauteilen, die Einbindung der Bewehrung und die Bodenverhältnisse.
Auch die Folien unter unseren Bauteilen spielten eine Rolle. Wir konnten nicht einfach davon ausgehen, dass Beton, der durch eine Folie vom Erdreich getrennt ist, den erforderlichen Erdkontakt herstellt.
In Absprache mit dem Berater entwickelten wir eine Lösung mit drei Erdern pro Gebäude. Kupferleiter verbinden sie untereinander und mit den entsprechenden Metallteilen. Die Umsetzung umfasste Anschlüsse an die Bewehrung, Schweissarbeiten und die Beschaffung geeigneter Verbindungsklemmen.
Dahinter steckten viel Einarbeitung und praktische Arbeit. Dabei wurde uns auch der Unterschied zwischen der Montage einzelner Elektrokomponenten und der Planung des dazugehörigen Schutzsystems deutlicher. Erdung, Potentialausgleich und Blitzschutz hängen zusammen, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben.
Schweissen, während wir auf den Strom warten
Schon die Installation dieser Infrastruktur hing von einer weiteren offenen Frage ab: dem Stromanschluss.
Wir hatten ihn beantragt, doch mehr als drei Monate vergingen ohne verlässlichen Anschlusstermin. Immer wieder hiess es, in der folgenden Woche sollte es so weit sein. Das machte die Planung schwierig.
Für Arbeiten, die nicht warten konnten, darunter das Schweissen, mieteten wir einen Generator.
Ein Gerätekauf kann ein unmittelbares Hindernis aus dem Weg räumen. Doch jede Anschaffung steht neben anderen Bedürfnissen. Als Stiftung, die mit Spendengeldern arbeitet, müssen wir abwägen: Wie oft wird eine Maschine gebraucht? Reicht es, sie zu mieten? Und was könnten wir mit dem Geld sonst erreichen?
Auf Fotos der fertigen Gebäude sieht man solche Entscheidungen selten. Auf der Baustelle bestimmen sie, wie es weitergeht.
Beton effizienter herstellen
Angesichts der benötigten Betonmenge fragten wir uns zunächst, ob unsere bisherige Herstellung im kleinen Massstab überhaupt ausreichen würde.
Wir prüften Möglichkeiten, grössere Mengen zu mischen oder liefern zu lassen. Das Betonwerk war für eine unkomplizierte Belieferung zu weit entfernt. Ein Fahrmischer auf der Baustelle hätte zusätzliche Geräte zum Beladen erfordert. Gleichzeitig wäre es schwieriger geworden, die Mischungsverhältnisse genau einzuhalten.
Deshalb entschieden wir uns erneut für die eigene Betonherstellung, diesmal mit einem effizienteren Aufbau.
Über eine Rampe konnte man mit der Schubkarre einen Einfülltrichter oberhalb des Mischers erreichen. Von dort gelangte das Material direkt in die Trommel. Unter dem Mischer liess sich eine weitere Schubkarre platzieren, um den fertigen Beton aufzunehmen.
Das erleichterte sowohl das Befüllen als auch das Entleeren. Statt nur den Mischer selbst zu betrachten, verbesserten wir den gesamten Materialfluss davor und danach.
Die Betonrezeptur und unsere Überlegungen zur Langlebigkeit sind eigene Themen. Hier ging es vor allem um die praktische Herstellung: Auch eine gute Mischung braucht einen funktionierenden Ablauf für Transport, Dosierung, Mischen und Einbringen.
Bessere Hilfsmittel, mehr Präzision
Dieses Mal stand uns auch eine bessere Ausrüstung zur Verfügung.
Ein Laser half beim Abstecken und Kontrollieren der Höhen. Zwölf wiederverwendbare Stahlschalungselemente, jeweils ungefähr 15 Zentimeter hoch und 2,44 Meter lang, ermöglichten gleichmässige Abschlüsse beim Betonieren.
Das war besonders hilfreich, weil geeignete Schaltafeln vor Ort nur schwer erhältlich sind. Lokal verfügbares Holz erforderte oft mehr Vorbereitung und Anpassung. Die Stahlelemente dagegen konnten wir immer wieder einsetzen.
Auch viele kleinere Hilfsmittel, die anderswo selbstverständlich gekauft werden, mussten wir selbst herstellen oder anpassen. Dazu gehörten sogar die Abstandhalter für die Bewehrung.
Für sich genommen ist keines dieser Hilfsmittel spektakulär. Zusammen erleichterten sie jedoch präzises Arbeiten und ersparten uns, dieselben Aufgaben jedes Mal neu improvisieren zu müssen.
Naturstein aus der Region, sorgfältig ausgewählt
Bei einem der Schulgebäude prägt inzwischen ein anderes Material den überdachten Laubengang: Naturstein.
Ueli von Stein und Garten brachte dafür viel Fachwissen mit. Er erkundete die Umgebung, verglich die verfügbaren Steine und half, eine kleine Abbaustelle einzurichten.
Die Fundstelle lag abseits der Strasse. Deshalb mussten die Steine von Hand herausgetragen werden. Noch bevor daraus ein Boden entstehen konnte, steckte bereits viel Arbeit in der Suche, der Auswahl und dem Transport.
Heute ist der gesamte Laubengang dieses Schulgebäudes mit Naturstein belegt. Hier wird besonders sichtbar, was Fachwissen bewirken kann. Das Ergebnis lebt sowohl vom Material aus der Region als auch von seiner sorgfältigen Verarbeitung.
Der fertige Natursteinboden ist wirklich hervorragend geworden. Herzlichen Dank, Ueli, für dein Können, deine Sorgfalt und deinen grossen Einsatz bei jedem Schritt dieser Arbeit.
Von Kalimantan nach Oekolo: Die Holzkonstruktionen werden aufgerichtet
Dedy und Thomas planten und fertigten die Holzkonstruktionen für zwei unserer drei neuen Gebäude in Kalimantan vor. Die Bauteile wurden auf Mass hergestellt, per Container verschifft und für die letzte Strecke nach Oekolo auf drei Lastwagen umgeladen.
Das Abladen von Hand dauerte einen ganzen Tag. Balken für Balken musste von den Lastwagen getragen werden, bevor die Montage beginnen konnte.
Auf der Baustelle zahlte sich die Vorbereitung aus. Innerhalb weniger Wochen richtete ihr Team beide Holzkonstruktionen auf. Aus gestapelten Bauteilen wurden Stützen, Träger und Dachtragwerke. Die Gebäude bekamen ihre vollständige Form.
Die Präzision und Qualität ihrer Arbeit waren beeindruckend. Dank der genauen Vorfertigung waren bei der Montage nur wenige Anpassungen nötig. Das zeigte, was sorgfältige Planung ermöglicht, selbst wenn zwischen Herstellung und Baustelle eine lange Reise von einer Insel zur anderen liegt.
Nach all der Arbeit im Erdreich und auf Bodenhöhe war diese Phase besonders erfreulich. Endlich konnten wir in den Gebäuden stehen und ein Gefühl für die Räume bekommen, die unsere Schule künftig nutzen wird.
Die Suche nach geeigneten Dachmaterialien
Über den Holzkonstruktionen liegt ein mehrschichtiger, hinterlüfteter Dachaufbau. Weiss gestrichene Platten bilden die sichtbare Unterseite. Darüber folgen eine Folie und die Blecheindeckung. Der Lüftungszwischenraum hilft, Wärme unter dem Dach abzuführen.
Die fertige Unterseite verleiht den Räumen einen hellen, gepflegten Eindruck. Die Beschaffung der äusseren Dacheindeckung war schwieriger.
Über Wochen fragten wir bei Lieferanten und Baumärkten in Kupang nach hochwertigeren Dachblechen. Die beste Ausführung, die wir dabei beschaffen konnten, war ein 0,4 Millimeter starkes Blech mit der Beschichtungsbezeichnung AZ50.
Nachdem wir so viel Sorgfalt in die übrige Konstruktion investiert hatten, war diese Grenze frustrierend. Ein Produkt lässt sich im Plan vorsehen. Das bedeutet aber noch nicht, dass es über die für das Projekt realistisch nutzbaren Lieferwege auch erhältlich ist.
Als zusätzliche Schutzmassnahme behandelten wir die Dachbleche mit einer Beschichtung von Sika.
Beim Holz wählten wir eine gute Qualität, die über Jahrzehnte genutzt werden soll. Dabei wogen wir Dauerhaftigkeit, Kosten und Verfügbarkeit gegeneinander ab. Wie beim übrigen Gebäude hängt die tatsächliche Lebensdauer auch von der Witterung, den konstruktiven Details und dem Unterhalt ab.
Unser Ziel war ein Dach aus tatsächlich beschaffbaren Materialien, das sich langfristig instand halten lässt.
Der Tag, an dem alle kamen
Die Behörden besuchten uns im Laufe des Verfahrens mehrmals. Ein Termin schien allerdings beinahe unmöglich zu organisieren.
Für das Landzertifikat, das sertifikat tanah, musste eine grosse Gruppe anwesend sein: Vertreter der Käufer- und Verkäuferseite, Familienmitglieder des Verkäufers, Eigentümer der angrenzenden Grundstücke, Zeugen und der Dorfvorsteher.
Einige Personen waren telefonisch kaum erreichbar. Bei so vielen Beteiligten befürchteten wir, dass schon eine einzige fehlende Person den Termin verhindern könnte.
In den Tagen zuvor besuchten wir die Beteiligten einzeln, erklärten, wie wichtig ihre Anwesenheit war, und bestätigten die Abmachungen.
Dann kam der Tag. Und alle waren da.
Die Behördenmitarbeitenden waren ungefähr sechs Stunden aus der Stadt zu uns unterwegs gewesen. Sie vermassen das Land erneut, und es folgte eine weitere umfangreiche Runde von Unterschriften.
Nach den Monaten des Wartens und dem grossen Koordinationsaufwand war es eine enorme Erleichterung, alle versammelt zu sehen und mit dem Verfahren voranzukommen. Es war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Landzertifikat.
Ein eigener Meilenstein: die Baubewilligung
Parallel zum Landverfahren erhielten wir die Baubewilligung PBG für das Projekt. Sie umfasst die Gebäude, die Strasse und den Sportplatz.
Nach unserem Kenntnisstand ist es die erste PBG im Dorf.
Bis dahin war ein langes Verwaltungsverfahren nötig gewesen, mit Unterlagen, Nachfragen und Abstimmungen über mehrere Etappen hinweg. Der Zeitaufwand war erheblich. Gleichzeitig waren die Behördenmitarbeitenden, mit denen wir zu tun hatten, freundlich und unterstützten uns dabei, die Anforderungen zu erfüllen.
Die Bewilligung war ein bedeutender Erfolg für das Projekt. Sie schuf auch Klarheit nach einer Phase, in der administrative Unsicherheiten den Bauablauf immer wieder beeinflusst hatten.
Abreisen, bevor alles fertig ist
Inzwischen gingen meine sechs Monate vor Ort zu Ende.
Die Gebäude hatten Gestalt angenommen, doch der Innenausbau stand noch bevor. Die früheren Verzögerungen durch Entwässerungsarbeiten und administrative Verfahren hatten den Zeitplan um rund zwei Monate verschoben. Diese Zeit konnten wir nicht vollständig aufholen.
Für die nächsten sechs Monate in die Schweiz zurückzukehren, bedeutete deshalb, vor dem erhofften Zwischenziel abzureisen. Das war enttäuschend.
Trotzdem gab es viel, womit wir zufrieden sein konnten. Die Holzkonstruktionen standen, ein Natursteinlaubengang war fertig, umfangreiche technische Arbeiten waren ausgeführt, und die Baubewilligung war eingetroffen. Acht Volunteers, das lokale Team, Dedy und Thomas sowie die unterstützenden Fachleute hatten alle ihren Teil dazu beigetragen.
Am Tag der Holzlieferung hatten die Bauteile drei Lastwagen gefüllt. Bei meiner Abreise standen sie über Räumen, durch die wir gehen und uns den künftigen Schulalltag vorstellen konnten.
Es bleibt viel zu tun. Aber inzwischen steht hier weit mehr als ein Plan.



















