Es begann mit Englisch an einem Samstag. Beim fünften Treffen kamen bereits 60 Kinder. Freiwillig.

Ende Januar 2026 hatten wir mit dem Angebot an unserer Schule in Kot’olin begonnen. Ohne Werbung kamen immer mehr Kinder dazu. Ihre Begeisterung brachte uns schnell auf eine Frage: Was könnten wir ihnen neben Englisch noch anbieten?

Es gab Raum für Spiele, Entdeckungen, Sport und Aufgaben, bei denen die Kinder selbst nachdenken mussten. Der Zuspruch ermutigte uns, daraus ein vielseitigeres Programm zu entwickeln: Kelas Masa Depan, auf Deutsch «Zukunftsklasse».

Eine offene Tür für Kinder, die wir nicht alle aufnehmen können

An unserer regulären Schule begleiten wir die Kinder eng und langfristig. Unsere Plätze sind jedoch begrenzt. Normalerweise steigen die Kinder im Kindergarten bei uns ein und erarbeiten sich dort die Grundlagen für die folgenden Jahre. Ein späterer Einstieg ist ohne diese Grundlagen nicht ohne Weiteres möglich.

Deshalb können wir viele Kinder nicht in unseren täglichen Unterricht aufnehmen.

Mit Kelas Masa Depan erreichen wir sie trotzdem. Jedes Kind ist willkommen, unabhängig davon, welche Schule es besucht. Das Programm schafft zusätzliche Möglichkeiten zum Lernen, Entdecken und Mitmachen.

Besonders freut uns, dass die Kinder aus eigenem Antrieb kommen. Sie entscheiden sich dafür, einen Teil ihres Wochenendes bei uns zu verbringen. Dieses Interesse ist eine wertvolle Grundlage. Wir möchten es mit Erlebnissen aufgreifen, für die es sich lohnt, wiederzukommen.

Eine Schatzsuche, bei der Mitdenken gefragt ist

Eines dieser Erlebnisse war eine Schatzsuche, bei der Problemlösen und Kartenlesen im Mittelpunkt standen.

Nach unserer Erfahrung besteht vieles, was die Kinder im Schulunterricht kennenlernen, aus dem Auswendiglernen von Informationen. Wir wollten Situationen schaffen, in denen eine gelernte Antwort allein nicht weiterhilft. Die Kinder sollten das Problem untersuchen, eine Lösung ausprobieren und zusammenarbeiten.

Bei einer Aufgabe war der nächste Hinweis an einem Ball in einem Rohr befestigt. Um ihn herauszubekommen, mussten die Kinder Wasser ins Rohr giessen und gleichzeitig die Löcher zuhalten, durch die es wieder herauslief.

Zu verstehen, was passieren musste, war erst der Anfang. Damit es tatsächlich klappte, mussten sie sich absprechen: Einige hielten die Löcher zu, jemand anderes goss Wasser nach. Wo es noch herauslief, mussten sie nachbessern und gemeinsam dranbleiben, bis der Ball nach oben stieg.

Ein weiterer Hinweis hing schwer erreichbar in einem Baum. Einige Kinder fanden eine Lösung, indem sie sich aus Holz ein einfaches Hilfsmittel bauten. So konnten sie ihre Reichweite verlängern und die Nachricht herunterholen.

Ausserdem mussten Wörter zusammengesetzt und Orte erkannt werden. Ein Foto führte die Gruppen zu einem kleinen Bauwerk im Dorf, wo der nächste Hinweis wartete. Schliesslich fanden sie die Schatzkarte.

Die Kinder rannten von einem Ort zum nächsten, besprachen Hinweise und überlegten, wie es weitergehen könnte. Die Begeisterung hielt sie in Bewegung. Die Aufgaben gaben dieser Energie ein Ziel.

Die Karte war eine eigene Herausforderung

Die Karte zu finden, bedeutete noch lange nicht, den Schatz zu finden.

Eine Gruppe suchte immer wieder dort, wo sie die Karte entdeckt hatte. Auf der Zeichnung war aber das Schulgelände zu sehen. Bevor die Kinder ihr folgen konnten, mussten sie diesen Zusammenhang erkennen: Das Blatt Papier zeigte einen anderen Ort.

Dann überraschte uns eine unserer Zweitklässlerinnen.

Kartenlesen hatten wir in ihrem Unterricht noch gar nicht behandelt. Trotzdem verstand sie die Zeichnung und führte ihr Team direkt zum Versteck. Der vergrabene Schatz war nur etwa 20 bis 25 Zentimeter gross. Ungefähr an der richtigen Stelle zu suchen, hätte also nicht gereicht. Sie fand ihn mit erstaunlicher Genauigkeit.

Es war einer dieser Momente, in denen man innehält und neu hinschaut, was ein Kind alles kann.

Dieselbe Aufgabe hatte bei einigen Kindern ein noch unbekanntes Konzept sichtbar gemacht und bei einem anderen eine unerwartete Stärke. Beides gab uns wertvolle Anhaltspunkte, an denen wir anknüpfen konnten. Eine Karte und eine versteckte Kiste hatten eine Lernsituation geschaffen, in der Fähigkeiten zum Vorschein kamen, die eine gewöhnliche Frage auf einem Arbeitsblatt vielleicht nie gezeigt hätte.

Eine Olympiade für unterschiedliche Stärken

Bei einer anderen Gelegenheit organisierten wir eine Olympiade mit ganz verschiedenen Disziplinen.

Stafetten, Ballweitwurf und Standweitsprung sorgten für Bewegung und Wettkampf. Schätzaufgaben und Fragen zur Allgemeinbildung verlangten andere Fähigkeiten. Wir hielten die Ergebnisse fest, werteten die Punkte aus und schlossen mit einer Rangverkündigung ab.

Diese Vielfalt war bewusst gewählt. Die Kinder sollten erleben, dass man auf unterschiedliche Weise erfolgreich sein kann: mit körperlichem Geschick, einer guten Einschätzung oder Wissen.

Für Kinder zwischen ungefähr sieben und 15 Jahren zu planen, bedeutet auch, unterschiedliche Schwierigkeitsgrade zu berücksichtigen. Die Aufgaben sollten für diese Altersspanne verständlich und spannend sein und sowohl selbstständiges Arbeiten als auch Zusammenarbeit ermöglichen.

Vorbereitung und Auswertung waren aufwendig. Die Motivation der Kinder machte diesen Einsatz lohnenswert.

Englisch und ein Blick über den eigenen Alltag hinaus

Englisch bleibt ein wichtiger Bestandteil des Programms. Gezieltes Lernen hat darin ebenso Platz wie Spiele und andere Aktivitäten.

Wir haben auch eine angepasste Form von Tchoukball gespielt und Dokumentarfilme gezeigt, teilweise auf Englisch. So hören die Kinder die Sprache und lernen gleichzeitig Orte und Themen kennen, die über ihre unmittelbare Umgebung hinausgehen.

In einem abgelegenen Dorf ist der Zugang zu dieser weiteren Welt begrenzt. Ein Dokumentarfilm, ein neues Spiel oder eine Frage zur Geografie kann Neugier wecken und zum Weiterfragen anregen.

Genau diese Vielfalt möchten wir bieten. Manchmal steht die Sprache im Mittelpunkt. Bei anderen Treffen bewegen sich die Kinder, beobachten, schätzen oder lösen gemeinsam eine Aufgabe. Das gemeinsame Ziel ist, dass sie das Lernen aktiv mitgestalten.

Diese Tür soll offen bleiben

Die Verantwortung für die Weiterentwicklung des Programms liegt zurzeit bei mir. Wenn ich nicht vor Ort bin, führt unsere Englischlehrerin die Treffen alle zwei Wochen weiter.

Wir möchten Kelas Masa Depan langfristig als festen Bestandteil unserer Arbeit etablieren. Dafür müssen wir abwechslungsreiche Aktivitäten, die Bedürfnisse verschiedener Altersgruppen und die Möglichkeiten unseres Teams miteinander verbinden. Das Angebot soll sich zuverlässig vorbereiten und durchführen lassen.

Wie das am besten gelingt, lernen auch wir noch. Die Teilnahme zeigt uns, dass die Kinder kommen möchten. Bei den Aktivitäten sehen wir, wie sie sich einbringen. Langfristige Fortschritte brauchen Zeit und kontinuierliche Begleitung.

Doch schon der Anfang bedeutet viel. Unsere Schule hat nur eine begrenzte Anzahl Plätze. Durch Kelas Masa Depan können viel mehr Kinder durch ihre Türen kommen, sich einer Herausforderung stellen und entdecken, was in ihnen steckt.