Nachdem wir einen geeigneten Standort für unsere Schulerweiterung in Kot’olin gefunden hatten, konnten wir die Planung vertiefen. Es folgten zahlreiche Zeichnungen, überarbeitete Grundrisse und lange Gespräche mit Architekten und Menschen, die Erfahrung mit dem Bauen in Indonesien haben.
Mein Hintergrund liegt im Bauzeichnen, nicht in einem Architekturstudium. Das half mir beim Durchdenken von Massen und Grundrissen. Doch eine Schule zu planen, wirft Fragen auf, die weit darüber hinausgehen, Räume auf einem Plan unterzubringen. Wie halten wir Schulzimmer offen und gut belüftet, ohne dass sich die Klassen gegenseitig durch Lärm stören? Wie viel Fläche muss geschlossen sein? Welche Räume können mehrere Aufgaben übernehmen?
Mit unserer ersten Schule hatten wir praktische Erfahrungen gesammelt. Nun ging es darum, daraus einen Entwurf zu entwickeln, der für die Kinder, unser Team und unser Budget funktioniert.
Vom Schulalltag ausgehen
Die Raumliste war erst der Anfang. Wir brauchten Schulzimmer, eine Bibliothek, Arbeitsplätze für die Unterrichtsvorbereitung, Lagerflächen, eine Küche und weitere Einrichtungen für den Schulalltag. Dazu kam die Unterkunft für Lehrpersonen.
Jeder Bereich stellt andere Anforderungen. Kinder brauchen Platz, um sich zu konzentrieren, aber auch, um sich zu bewegen und zusammenzuarbeiten. Lehrpersonen benötigen Materialien in Griffnähe und einen Ort zum Vorbereiten. Bücher und Geräte müssen geschützt werden. Kochen und Essen bringen wiederum eigene Bedürfnisse mit sich.
Ich beschäftigte mich intensiv damit, welche Aktivitäten einen Raum gemeinsam nutzen können und welche getrennte Bereiche brauchen. Ein Raum, der nur gelegentlich gebraucht wird, muss nicht den Rest des Tages leer stehen. Gleichzeitig ist eine Mehrfachnutzung nur sinnvoll, wenn sich die verschiedenen Tätigkeiten nicht ständig gegenseitig stören.
Daraus entstand eine hilfreiche Prüfung für unsere Zeichnungen: sich einen gewöhnlichen Schultag vorstellen, an dem mehrere Dinge gleichzeitig passieren, und gedanklich verfolgen, wie die Menschen die Räume nutzen.
Mit dem Gelände planen
Das neue Grundstück bot Vorteile, die wir anderswo lange gesucht hatten: eine grössere flache Fläche, grosse Bäume und eine geschütztere Lage als auf einer exponierten Hügelkuppe. Diese Qualitäten wollten wir im Entwurf nutzen.
Bei der Anordnung der Gebäude mussten wir den Hang, die Erschliessung, freie Flächen und das Zusammenspiel zwischen Schulzimmern und Aktivitäten draussen berücksichtigen. Auch die Aussicht, die umliegenden Bäume sowie unsere Beobachtungen zu Sonne und Wind flossen ein.
Spät im Bewilligungsverfahren erhielten wir die Information, dass das nördliche Drittel des Grundstücks als Landwirtschaftszone ausgewiesen war. Die entsprechenden Zoneninformationen waren vor Ort nur schwer zugänglich gewesen. Nun mussten wir den Masterplan nochmals anpassen und die geplante Lehrerunterkunft weiter in den Hang verschieben. Das bedeutete zusätzliche Planungsarbeit und mehr Aushub.
Diese erhebliche Anpassung zeigte uns: Zu wissen, wo überhaupt gebaut werden darf, ist für einen Entwurf genauso wichtig wie die Geländeform selbst.
Zwei Schulzimmer unter einem Dach
Eine der wichtigsten Entscheidungen war, jeweils zwei Schulzimmer in einem Gebäude zusammenzufassen.
Wir hatten verschiedene Anordnungen geprüft, darunter stärker zusammenhängende Lösungen und einzelne Gebäude. Ein grösseres Gebäude kann wirtschaftlicher sein. Gleichzeitig wird das Zusammenspiel von Belüftung, Durchgangswegen und Schall komplizierter.
Aus der Schweiz war ich geschlossene Gebäude gewohnt. Um Lärm zwischen den Schulzimmern zu begrenzen, schien es naheliegend, die Räume vollständig zu schliessen. Doch unsere Erfahrungen auf Timor hatten uns gelehrt, die Feuchtigkeit ernst zu nehmen. Wir mussten deshalb ebenso sorgfältig überlegen, wie die Luft durch die Räume strömt, wie sich der Schall zwischen ihnen ausbreitet.
Zwei Schulzimmer pro Gebäude boten uns einen guten Mittelweg. Eine Trennwand teilt die Unterrichtsräume, während die Aussenseiten für die Belüftung offen bleiben können. So wollen wir die direkte Schallübertragung zwischen den Klassen begrenzen, ohne vollständig geschlossene Räume zu benötigen. Durch die Öffnungen kann Schall weiterhin um die Trennwand herumgelangen. Die Anordnung ist deshalb ein praktischer Kompromiss und kein Versprechen völliger Ruhe.
Durch die Kombination von zwei Schulzimmern in einem Gebäude sank der offerierte Preis gegenüber zwei separaten Einheiten um rund 31 Prozent. Die Laubengangfläche wurde dadurch etwas kleiner, doch der überarbeitete Grundriss erfüllte weiterhin alle unsere Anforderungen. Wir konnten also beibehalten, was die Schule brauchte, und gleichzeitig die offerierten Kosten deutlich reduzieren.
Offen für die Luft, geschützt vor dem Wetter
Die Belüftung war nur ein Teil der Aufgabe. Unsere Erfahrungen hatten auch gezeigt, dass ein Raum bei gewöhnlichem Wetter gut funktionieren und bei einem Sturm trotzdem nass werden kann, wenn der Wind den Regen hineinträgt.
Deshalb verstanden wir Offenheit zunehmend als etwas, das sich anpassen lassen muss. Im normalen Betrieb soll die Luft durch die Schulzimmer strömen können. Bei starkem Unwetter müssen sich exponierte Öffnungen jedoch schliessen lassen.
Die überdachten Bereiche rund um die Gebäude schaffen einen Übergang zwischen drinnen und draussen. Sie bieten Schutz und vergrössern den Abstand zwischen Dachrand und Unterrichtsfläche. Ein Vordach allein reicht aber nicht in jeder Situation, besonders wenn der Regen von der Seite kommt.
Für mich gehörte das zu den wertvollsten Erkenntnissen dieser Planung. Geschlossene Räume, Belüftung, Schallschutz und Wetterschutz lassen sich nicht unabhängig voneinander lösen. Eine Verbesserung an einer Stelle kann anderswo ein neues Problem schaffen. Deshalb mussten wir immer wieder prüfen, wie das Gebäude unter unterschiedlichen Bedingungen funktionieren würde.
Den Laubengang vielseitig nutzen
Die überdachten Aussenbereiche wurden zu einem wichtigen Teil der nutzbaren Schulfläche. Sie erschliessen die Schulzimmer, bieten Sitzplätze für die Pausen und können von kleinen Gruppen zum Arbeiten im Freien genutzt werden.
Das veränderte unseren Blick auf die Flächeneffizienz. Wer nur geschlossene Räume vergleicht, übersieht einen Teil dessen, was die Gebäude bieten. Eine überdachte Aussenfläche kann mehrere Aufgaben erfüllen. Allerdings kostet auch sie Geld und muss ihren Platz im Entwurf rechtfertigen.
Daneben stellte sich die Frage nach der Konzentration. Ein Weg direkt neben einem offenen Schulzimmer bringt Bewegung und Gespräche nahe an Kinder heran, die gerade zuhören sollen. Deshalb betrachteten wir Durchgangswege und Aktivitäten draussen immer im Zusammenhang mit den Unterrichtsbereichen und ihren Öffnungen.
Wir wollten rund um die Schulzimmer gut nutzbaren Raum schaffen und zugleich dafür sorgen, dass Bewegung und konzentriertes Arbeiten möglichst gut nebeneinander stattfinden können.
Gemeinsam genutzte Räume zusammenführen
Ein Gebäude verbindet ein Schulzimmer mit Einrichtungen, die der ganzen Schule dienen. Darin ist ein Raum für Besprechungen, Bibliothek und Computernutzung vorgesehen. Hinzu kommen Bereiche für Lehrpersonen, Schulverwaltung, Küche und Lager. Überdachte Aussenflächen bieten zusätzliche Plätze zum Lesen und Essen.
Diese Kombinationen ergeben sich aus der Grösse unserer Schule. Wir brauchen nicht für jede Tätigkeit einen eigenen grossen Raum. Aber wir brauchen Flächen, die sich über den Tag hinweg sinnvoll nutzen lassen.
Ausserdem unterschieden wir zwischen Bereichen, die offen bleiben sollen, und solchen, in denen Bücher, Geräte oder Vorräte sicher und geschützt untergebracht werden müssen. Was für ein luftiges Schulzimmer gut funktioniert, eignet sich nicht automatisch für die Lagerung empfindlicher Materialien.
Bei der Lehrerunterkunft standen nochmals andere Prioritäten im Vordergrund: kurze, einfache Wege, praktische Räume sowie Platz für Privatsphäre und Erholung. Mein Ziel war hier ein schlichter, effizienter Grundriss, der unterschiedliche Wohnsituationen ermöglicht, ohne unnötig kompliziert zu werden.
Wachstum in Etappen planen
Die ersten Entwürfe machten deutlich, wie schnell eine vollständige Schulanlage das Budget übersteigen kann. Die Schulzimmer sind nur ein Teil der Kosten. Fundamente, Böden, technische Installationen, Möbel, Erdarbeiten und die Umgebung müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
Wir überarbeiteten die Grösse und Gruppierung der Gebäude und trennten den unmittelbaren Bedarf von späteren Ergänzungen. Der Masterplan hält Platz für weitere Schulgebäude und eine künftige Sporthalle frei. So können wir ihr Zusammenspiel mit den ersten Gebäuden berücksichtigen, lange bevor sie gebaut werden.
Wiederkehrende Gebäudeformen schaffen zudem eine Grundlage für spätere Etappen. Wir können die Schule schrittweise weiterentwickeln und dabei aus der Nutzung der ersten neuen Räume lernen.
Was wir beim Planen gelernt haben
Der Entwurf entstand aus unseren eigenen Zeichnungen, den Erfahrungen mit der bestehenden Schule und Gesprächen mit Architekten und Baufachleuten, die Indonesien kennen. Jede Überarbeitung war eine Gelegenheit, die Annahmen hinter der vorherigen Version zu prüfen.
Einige der wertvollsten Änderungen waren einfach: Schulzimmer paarweise zusammenzufassen, um Kosten zu sparen. Überdachte Aussenflächen vielseitig nutzbar zu machen. Und zu erkennen, dass auch offene Räume bei Unwetter Schutz brauchen.
Die Pläne verbinden Orte für Konzentration, gemeinsame Aktivitäten und die praktischen Bedürfnisse des Alltags. Gleichzeitig lassen sie Raum für das Wachstum der Schule. Sobald die Gebäude genutzt werden, werden uns die täglichen Erfahrungen der Kinder und Lehrpersonen zeigen, was sich bewährt und wo weitere Anpassungen nötig sind.

