Die Fortschritte der Kinder nach den ersten eineinhalb Jahren waren ermutigend. Unsere Schule in Kot’olin wuchs, und wir waren bereit, die nächste Etappe zu planen. Doch die bestehenden Gebäude und das Grundstück boten dafür nicht genügend Platz. Bevor wir bauen konnten, mussten wir einen geeigneten Standort finden.
Die Landsuche wurde zu einer der grössten Aufgaben meines zweimonatigen Aufenthalts auf Westtimor Anfang 2025. Am Ende verbrachte ich ungefähr die Hälfte meiner Zeit damit.
Viel freies Land, wenig geeignete Grundstücke
Wer über die Hügel rund um Kot’olin blickt, könnte meinen, Land zu finden sei einfach. Die Häuser liegen verstreut in der Landschaft, dazwischen gibt es viel freie Fläche. Doch eine Schule stellt besondere Anforderungen an ihren Standort.
Sie muss nahe genug bei den Kindern liegen, im Alltag gut erreichbar sein und sich baulich verwirklichen lassen. In dieser bergigen Gegend waren viele Grundstücke zu steil. Andere lagen weit ausserhalb des Dorfzentrums und hätten für die jungen Kinder einen langen Schulweg bedeutet. An einem möglichen Standort hätten wir sogar eine völlig neue Zufahrtsstrasse bauen müssen.
Wir suchten eine Fläche von ungefähr 7’500 bis 10’000 Quadratmetern. Sie sollte genügend Platz für die nächste Etappe bieten und auch spätere Erweiterungen ermöglichen. Viele Grundstücke, die wir anschauten, waren deutlich kleiner, meist zwischen 1’000 und 5’000 Quadratmetern. Manchmal schienen zwei benachbarte Parzellen eine Lösung zu sein. Bis sich herausstellte, dass nur eine davon verfügbar war.
Eine Entscheidung der ganzen Familie
Bei unserer Suche rund um Kot’olin lernten wir, dass Entscheidungen über Land meist innerhalb der Grossfamilie getroffen werden. Ein positives Gespräch mit einer Person war ein wichtiger Anfang. Es bedeutete aber noch nicht, dass alle zugestimmt hatten, deren Einverständnis nötig war.
Einige Angehörige lebten auswärts, unter anderem in Kalimantan. Auch ihre Meinung musste berücksichtigt werden. Mehrmals schien ein Standort vielversprechend, bis sich ein Familienmitglied dagegen entschied. Bei anderen Grundstücken erhoben verschiedene Personen Anspruch auf dasselbe Land. Solange diese Fragen offen waren, konnten wir nicht weiterplanen.
Wir mussten lernen, zwischen einem ermutigenden ersten Gespräch und einer verlässlichen Vereinbarung zu unterscheiden. Und wir mussten Zeit für Absprachen mit Menschen einräumen, die wir selbst noch gar nicht kennengelernt hatten.
Karten, Besichtigungen und Gespräche im Dorf
Vor Ort gab es weder ein Immobilienbüro noch einen etablierten Grundstücksmarkt, an den wir uns hätten wenden können. Stattdessen studierten wir Karten, erkundeten mögliche Standorte und sprachen mit Menschen, die uns Hinweise auf verfügbares Land geben konnten.
Unsere lokalen Mitarbeitenden waren dabei unverzichtbar. Manche Gespräche mussten in der lokalen Sprache geführt werden. Mit ihrem Wissen und ihren Beziehungen halfen sie uns, die richtigen Ansprechpersonen zu finden.
Wir organisierten auch Treffen mit der Bevölkerung, um unsere Erweiterungspläne vorzustellen und Vorschläge zu sammeln. Dafür bereiteten wir Präsentationen vor und hofften, gemeinsam einen Schritt weiterzukommen. Einige Treffen fanden nicht wie vereinbart statt. Andere eröffneten Möglichkeiten, die sich später wieder zerschlugen.
Ein Treffen in Kot’olin brachte mehr konkrete Unterstützung und weitere Vorschläge. Das machte Mut. Trotzdem lagen viele der vorgeschlagenen Grundstücke weiterhin zu weit von den Wohnhäusern der Kinder entfernt oder boten nicht den Platz, den wir brauchten.
Die Grundlage für den nächsten Schritt fehlte noch
Am Ende meines Aufenthalts hatten wir zahlreiche Standorte besichtigt und mehr Gespräche geführt, als ich mir zu Beginn hätte vorstellen können. Wir hatten immer wieder Absagen erhalten, vielversprechende Möglichkeiten verfolgt und unsere Optionen neu geprüft. Ein geeignetes Grundstück hatten wir noch nicht sichern können.
Das war frustrierend, gerade nach den erfreulichen Fortschritten im Unterricht. Wir wollten der Schule Raum für ihre weitere Entwicklung geben. Doch dieser notwendige erste Schritt beanspruchte weit mehr Arbeit als erwartet.
Die Erfahrung zeigte, wie entscheidend der richtige Standort ist. Er muss für die Kinder passen, die täglich zur Schule kommen, für die beteiligten Familien und für die Schule, die weiterwächst. Diesen Ort zu finden, blieb eine unserer wichtigsten Aufgaben.



