In vielen abgelegenen Regionen Indonesiens sind Schulausflüge kaum üblich, besonders für jüngere Kinder. Begrenzte Haushaltsbudgets und wenige Transportmöglichkeiten machen es vielen Familien schwer, auch nur kurze Ausflüge über das Dorf hinaus zu organisieren. So wachsen viele Kinder auf, ohne die Naturschönheiten in ihrer unmittelbaren Umgebung je zu besuchen. Im Bildungszentrum Kot’olin möchten wir das ändern.

Dieses Jahr unternahmen unsere Kindergartenkinder drei Ausflüge: ans Meer, auf einen Berg und zu einem Wasserfall. Alle drei Ziele lagen nur wenige Kilometer von ihrem Zuhause entfernt. Trotzdem waren die meisten Kinder zum ersten Mal an solchen Orten. Für Familien mit sehr begrenzten Mitteln eröffnen diese Ausflüge seltene Gelegenheiten, Neues zu entdecken und gemeinsam Freude zu erleben.

Wir haben die Kinder bewusst in die Planung einbezogen: Was müssen wir mitnehmen? Wer trägt was? Was werden wir essen? Wasser, Ersatzkleider, Brennholz und ein kleiner Grill wurden eingepackt. Die Abenteuerlust war ohnehin dabei. Diese Mitgestaltung ist uns wichtig. Wo Unterricht häufig autoritär geprägt ist, gibt eine eigene Stimme den Kindern Raum für Kreativität, kritisches Denken und Selbstvertrauen. Sie üben, Verantwortung zu übernehmen und zusammenzuarbeiten. Dafür bleibt im herkömmlichen Unterricht oft wenig Platz.

Ans Meer: Ein Tag voller Salzwasser, Kieselsteine und Kinderlachen

Unser erster Ausflug führte uns an einen nur zehn Kilometer entfernten Strand. Für die meisten Kindergartenkinder war es das erste Mal, dass sie das Meer sahen. Die Aufregung war gross, als wir ihnen vorsichtig und in aller Ruhe auf die Ladefläche eines Pick-ups halfen. Diese Art der Fortbewegung ist in unserer Gegend alltäglich.

Der Strand war wunderschön. Weisse Kieselsteine und eindrucksvolle Felsen bildeten die Kulisse für einen Tag voller Staunen. Die Kinder spielten am Wasser, sammelten schöne Steine und liefen lachend den kleinen Wellen hinterher. In Kot’olin gibt es keine öffentlichen Schwimmbäder. Umso besonderer war es, im flachen Süsswasser eines kleinen Bachs zu spielen, der hier ins Meer mündet. Das geschützte, sanft fliessende Wasser war gerade tief genug zum Planschen und Treibenlassen. Ein natürlicher Spielplatz.

Wir organisierten Spiele in kleinen Gruppen und verbanden das Spielen mit Lernen: Muscheln betrachten, unterschiedliche Oberflächen ertasten und über das Meer sprechen. Unter aufmerksamer Begleitung der Lehrpersonen und weiterer Erwachsener, die schwimmen konnten, erlebten die Kinder das Wasser auf eine für sie ganz neue Weise.

Ein besonders schöner Moment ergab sich, als einheimische Fischer vorbeikamen. Für umgerechnet gerade einmal 50 Rappen kauften wir 30 kleine Fische. Mit dem von zu Hause mitgebrachten Brennholz grillierten wir sie direkt am Strand. Die Kinder schauten gespannt zu und assen anschliessend gemeinsam auf den Kieselsteinen, mit sandigen Füssen und strahlenden Gesichtern.

Am Ende des Tages waren sie rundum müde und glücklich. Mit Schlamm und Salz auf der Haut und voller Geschichten kehrten die Kinder nach Hause zurück. Sie nahmen mehr mit als Erinnerungsstücke: die Entdeckung, dass Schönheit und Abenteuer direkt vor ihrer Haustür liegen.

In die Berge: Waldwege und Versteckis fast in den Wolken

Unser zweites Abenteuer führte uns bergauf nach Binenok, einem Nachbardorf oberhalb von Kot’olin. Nach einer kurzen Fahrt mit dem Pick-up ging es zu Fuss weiter auf einen Gipfel auf 1’000 Metern über Meer. Von der Strasse aus waren es etwa ein Kilometer und rund 150 Höhenmeter. Unterwegs gab es für unsere jungen Entdecker viel zu sehen.

Der Weg führte durch den Wald, vorbei an Blumen in verschiedenen Farben und über einen schmalen Holzbalken, der einen kleinen Bach überbrückte. Beim gemeinsamen Wandern hatten die Kinder Zeit, auch die kleinen Dinge am Wegrand wahrzunehmen. Schon der Aufstieg war Teil des Abenteuers.

Oben angekommen, wich der Wald einer grünen Wiese mit weitem Rundblick. Die Kinder rannten gleich los, begeistert von der offenen Fläche. Solche Ausflüge erleben sie selten. Hier oben gab es eine ganz neue Welt zu erkunden.

Dann verkündeten die Kinder, dass sie Versteckis spielen wollten. Beim Blick über die offene Wiese fragten wir uns, wo sich hier jemand verstecken sollte! Doch sie liessen sich nicht davon abbringen. Bald wurden die Stellen mit hohem Gras zu Verstecken, und unter viel Gelächter ging das Spiel los.

Wir spielten Stafetten, veranstalteten Wettrennen und liessen die Kinder bei einem Suchspiel verschiedene Dinge in der Natur finden. Dabei schauten sie genau hin und erkundeten ihre Umgebung. Es gab viel Raum für Bewegung, Zusammenarbeit und eigene Ideen. Mit ihrer Begeisterung gestalteten die Kinder den Tag mit.

Ein weiterer Gipfel im Süden bot eine eindrucksvolle Aussicht aufs Meer. Unter uns erstreckte sich die Küste, über uns hingen die Wolken zum Greifen nah. In der Ferne gab es ebenso viel zu entdecken wie im Gras direkt vor unseren Füssen.

Zum Wasserfall: Helfende Hände und Mais vom Feuer

Unser dritter Ausflug führte uns zu einem Wasserfall im benachbarten O’Obibi, westlich der Schule. In diesem tiefer gelegenen Dorfteil schlängelt sich ein Bach durch üppiges tropisches Grün. Über einen hohen Wasserfall und eine kleinere Kaskade darunter fliesst das Wasser über Felsen und Moos. Ein wunderschöner Ort zum Verweilen und Entdecken.

Der Wasserfall ist nur etwa eine Viertelstunde von der Schule entfernt. Manche Kinder wohnen kaum zehn Minuten davon entfernt. Trotzdem waren die meisten noch nie dort gewesen, ebenso wie einige Erwachsene aus der Gegend. Ein Ort ganz in der Nähe wurde so zu einer völlig neuen Entdeckung.

Einer der schönsten Momente entstand beim Überqueren des Bachs. Die Kinder halfen einander, suchten gemeinsam einen Weg und reichten sich die Hände, damit alle hinüberkamen. Es war schön zu sehen, wie selbstverständlich sie aufeinander achtgaben.

Für unser gemeinsames Essen hatten die Kinder Brennholz von zu Hause mitgebracht. Wir machten ein Feuer, rösteten Mais aus der Region und assen zusammen neben dem Wasserfall. Umgeben vom Rauschen des Wassers wurde aus einer einfachen Mahlzeit ein besonderes Erlebnis.

Solche Erfahrungen sollen den Kindern in Erinnerung bleiben: einen schönen Ort in der Nähe ihres Zuhauses entdecken, einander helfen und gemeinsam etwas essen, das sie selbst mit vorbereitet haben. Ein kurzer Ausflug bot so viele Gelegenheiten für Neugier, Zusammenarbeit und Freude.